Das wars in 2016

Das war’s in 2016Kinder, wie die Zeit vergeht. Im Handumdrehen sind schon wieder 12 ereignisreiche Monate ins Land gegangen. Zwei Themen haben sich für mich dieses Jahr geprägt:

  1. das Pflegestärkungsgesetz
  2. der massive Eintritt ausländischer Investoren in den deutschen Pflege- und Betreuungsmarkt.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz (PSG) I-III hat der Gesetzgeber die Pflegeversicherung grundlegend verändert. Während im PSG I die Leistungen für ambulant versorgte pflegebedürftige Menschen deutlich verbessert wurden, führte er mit dem PSG II den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ein. Damit werden zur Jahreswende 2017 die neuen Pflegegrade in Kraft gesetzt. Gerade für die unteren Pflegestufen und besonders für die Patienten/Bewohner mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz bedeutet die Überleitung in die Pflegegrade einen erheblichen Zuwachs an Ansprüchen gegenüber der Pflegeversicherung. Das wirkt sich besonders stark in der ambulanten Pflege aus. Aber auch im stationären Bereich ist die Umstellung der Eigenanteils auf einen konstanten Betrag und die Möglichkeit, mehr Personal einstellen und verhandeln zu können (wenn man es denn auf dem Arbeitsmarkt bekommt), eine Mammutaufgabe dar.

Für viele Pflegedienste und Seniorenresidenzen bedeutet der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff nicht nur eine  organisatorische Aufgabe, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor einer großen Herausforderung die vielen neuen Ansprüche den Patienten, Bewohnern und ihren Angehörigen zu erläutern. Nicht zu letzt ergibt sich die große Chance für ambulante Pflegedienste endlich mehr notwendige Leistungen für ihre Patientinnen und Patienten erbringen zu können. Wir haben in der zweiten Jahreshälfte einen großen Teil unserer Zeit mit der Vorbereitung der ambulanten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diese Gespräche mit den Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen verbracht. Das wird in den nächsten Monaten wohl noch so bleiben.

Von vielen unbemerkt hat sich der gesamte Pflege- und Betreuungsmarkt in diesem Jahr weiter stark verändert. Im ambulanten Markt stellen private Anbieter mit 72% der Pflegedienste den größten Anteil pflegerischer und versorgender Leistungen zur Verfügung. Darin fällt das Segment der ambulanten Intensivpflege besonders auf. Zunehmend interessieren sich ausländische Investoren für dieses Segment. Übernahmen größerer deutscher Anbieter z.B. der „Deutschen Intensivpflege Holding“ zeigen dies eindrücklich. Aber auch im Bereich häuslicher Betreuungsleistungen hat es Wachstum mit ausländischer Beteiligung gegeben. Dabei ist der Betreuungsdienstleister „Home Instead“ besonders zu nennen. Nicht zuletzt ist aber auch auf die zunehmende Expansion stationärer Betreiber auf dem ambulanten Markt zu erwähnen. Die französische KORIAN Gruppe, die einer von Europas größtem Anbieter stationärer Angebote ist, betreibt in Deutschland schon 23 Pflegedienste zu erwartender steigender Tendenz.

Damit wäre auch schon der stationäre Pflege- und Betreuungsmarkt erwähnt. Hier fällt zum einen das starke Wachstum der beiden französischen KORIAN und Orpea Gruppen auf und zum anderen, die Tatsache das das die Alloheim-Gruppe ihren Marktanteil erheblich steigern konnte und nun der zweitgrößte private Anbieter stationärer Pflegeleistungen ist. Darüber hinaus machen Gruppenneugründungen von sich Reden, die mit Kraft auf den Markt drängen und durch Übernahmen zügig Marktanteile sichern wollen.

Ganz unerwähnt sind bisher die Aktivitäten von CARITAS und DIAKONIE geblieben. Sie sind weiterhin starke Akteure im Pflege- und Betreuungsmarkt. Allerdings erscheinen sie zwar unter ihrem jeweiligen Namen als großer, einheitlicher Konzern. Faktisch sind sie jedoch in viele regional agierende und eigenständige Vereine zergliedert. Daher gibt es auch kaum belastbare Zahlen zu ihrer Entwicklung. So kann man nur feststellen, dass sich ihre Marktpräsenz in 2016 wie schon in den Jahren zuvor stetig verringert.

FAZIT

Es fällt auf, dass sich der deutsche Pflege- und Betreuungsmarkt internationalisiert und nicht zuletzt durch die deutlichen Leistungssteigerungen im PSG II an Attraktivität gewinnt. Dadurch werden Wachstumskräfte frei, die eine hohe Dynamik im stationären und ambulanten Markt entwickeln. Streng genommen kann man immer weniger von zwei getrennten Sektoren oder Märkten sprechen, da sich immer mehr Anbieter sowohl stationär als auch teilstationär und ambulant betätigen. Dies führt zwangsläufig zu einer verstärkten Konkurrenzsituation mit regional unterschiedlicher Stärke.

Für 2017 ist durch die deutlichen Anspruchszuwächse bei den Versicherten im ambulanten Pflege- und Betreuungsmarkt nicht mit einem Wettbewerb, der sich über den Preis abspielt zu rechnen. Vielmehr wird hier der Wettbewerb über die Dienstleistungsqualität insgesamt geführt. Spannend wird es sein zu sehen, wie die Interessenten auf die konstanten Eigenanteile bei der Finanzierung eines Heimplatzes im Wettbwerb reagieren werden. Aber auch hier wird die Qualität des Gesamtangebots stationärer und teilstationärer Leistungen wettbewerbsentscheidend sein.

Sicherlich werden für viele Einrichtungen in 2017 die Weichen für die Unternehmensentwicklung der nächsten Jahre gestellt werden müssen. Ein weiter so, wie bisher, wird es auf die Dauer nicht geben. Die Marktkräfte werden hier für eine sich verstärkende Dynamik sorgen, die neue und innovative Angebote hervorbringen wird. Auch dies wird auf die nächsten Jahre hin wettbewerbsentscheidend sein.

Ich wünsche einen guten Rutsch in neue Jahr 2017 und für den, der möchte, auch Gottes Segen dafür.

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Das war’s in 2016

Kinder, wie die Zeit vergeht. Im Handumdrehen sind schon wieder 12 ereignisreiche Monate ins Land gegangen. Zwei Themen haben sich für mich dieses Jahr geprägt:

  • das Pflegestärkungsgesetz
  • der massive Eintritt ausländischer Investoren in den deutschen Pflege- und Betreuungsmarkt.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz (PSG) I-III hat der Gesetzgeber die Pflegeversicherung grundlegend verändert. Während im PSG I die Leistungen für ambulant versorgte pflegebedürftige Menschen deutlich verbessert wurden, führte er mit dem PSG II den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ein. Damit werden zur Jahreswende 2017 die neuen Pflegegrade in Kraft gesetzt. Gerade für die unteren Pflegestufen und besonders für die Patienten/Bewohner mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz bedeutet die Weiterlesen →

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