Delegation als geistliche Führungsaufgabe

Delegation an sich ist nichts neues. Delegation als geistliche Führungsaufgabe aber schon – oder? Wenn man etwas zum Thema Delegation erfahren möchte, so kann man auf eine reiche Literaturauswahl zugreifen. Amazon gibt unter dem Stichwort mehr als 900 Einträge wieder. Wahrscheinlich ist zu dem Thema schon alles gesagt worden. Was es trotzdem eine Blog-Beitrag wert macht ist die Tatsache, dass es für dieses Thema ein alttestamentliches Original gibt. Das heißt diese Quelle ist schon gut 2500 Jahre alt und hat etwas besonderes zu bieten – die Delegation als geistliche Führungsaufgabe.

Hier der Text der Einheitsübersetzung 2016 aus dem Delegation als geistliche Führungsaufgabe abgeleitet werden kann:

 

Am folgenden Morgen setzte sich Mose, um für das Volk Recht zu sprechen. 
Die Leute mussten vor Mose vom Morgen bis zum Abend anstehen.Als der Schwiegervater des Mose sah, was er alles für das Volk zu tun hatte, sagte er: Was soll das, was du da für das Volk tust? Warum sitzt du hier allein und die vielen Leute müssen vom Morgen bis zum Abend vor dir anstehen?
Mose antwortete seinem Schwiegervater: 
Weil das Volk zu mir kommt, um Gott zu befragen.
Wenn sie einen Streitfall haben, kommt er zu mir. Ich entscheide zwischen ihnen und teile ihnen die Gesetze und Weisungen Gottes mit.
Da sagte der Schwiegervater zu Mose: Es ist nicht gut, wie du das machst.So richtest du dich selbst zugrunde und auch das Volk, das bei dir ist. 
Das ist zu schwer für dich; allein kannst du es nicht bewältigen.Nun hör zu, ich will dir einen Rat geben und Gott wird mit dir sein. 
Vertritt du das Volk vor  Gott! Bring ihre Angelegenheiten vor ihn,unterrichte sie in den Gesetzen und Weisungen und mach sie mit dem Weg bekannt, auf dem sie gehen, und mit dem Tun, nach dem sie handeln sollen!
Du aber sieh dich im ganzen Volk nach tüchtigen, gottesfürchtigen und zuverlässigen Männern um, die Bestechung ablehnen. 
Gib dem Volk Vorsteher für je tausend, hundert, fünfzig und zehn!
Sie sollen dem Volk jederzeit als Richter zur Verfügung stehen. 
Alle wichtigen Fälle sollen sie vor dich bringen, 
die leichteren sollen sie selber entscheiden. 
Entlaste dich und lass sie mittragen!
Wenn du das tust, sofern Gott zustimmt, bleibst du der Aufgabe gewachsen und dieses ganze Volk kann in Frieden heimkehren.
Mose hörte auf seinen Schwiegervater und tat alles, was er vorschlug.                       Exodus 18, 13-26

Was ist hier passiert?

Da ist also Mose mit seinem Volk unterwegs und es nimmt ihn voll und ganz ins Anspruch. Er muss es vor Gott vertreten, Ratschläge geben, es belehren, Streit schlichten und Recht sprechen. Ganz schön viel für einen einzelnen Mann. Offensichtlich zeigt er auch Überlastungsanzeichen.
Sein Schwiegervater nämlich bemerkt seine Verfassung und sieht sich zu einem weitreichenden Rat veranlasst.

Zunächst führt er ihm seine Situation klar vor Augen: „Es ist nicht gut, wie du das machst.
So richtest du dich selbst zugrunde und auch das Volk, das bei dir ist.“ Klarer kann man die Situation von Mose nicht beschreiben.

Dann macht er einen Vorschlag, wie die Lage zu verbessern ist.

  1. Konzentriere dich auf die wichtigen Aufgaben. Setze Prioritäten.
  2. Übernimm die Aufgaben, die sonst keiner tun kann, weil deine speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen dazu gebraucht werden.
  3. Suche dir fähige Mitarbeiter aus. Zieh zur Auswahl Kriterien heran: Tüchtigkeit, Glauben, Zuverlässigkeit.
  4. Binde sie in eine klare Organisation zueinander an, damit es nicht zu Kompetenz- und Zuständigkeitsstreitigkeiten kommt.
  5. Bring ihnen bei, was sie für die Aufgaben, die du ihnen übergeben möchtest, wissen und können müssen. Befähige sie.
  6. Grenze ihre Aufgaben exakt von deinen ab.
  7. Übergib ihnen die Verantwortung für ihre Aufgaben.
  8. Befrage den Herrn zu deinem Plan und zu deiner Personalauswahl.

Die Ratschläge 1-7 sind sicherlich gut nachvollziehbar. Der letzte in meiner Liste verdient jedoch spezielle Beachtung, denn dadurch ist die Delegation als geistliche Führungsaufgabe zu verstehen.

Geistliche Führungsaufgabe ganz konkret

Der Schwiegervater bezieht Gott in den Prozess mit ein. Sein Vorschlag steht unter dem Vorbehalt, dass Gott damit einverstanden ist. Er wirft mehrere Fragen auf:

  • Kann man Gott mit so weltlichen Fragen beschäftigen?
  • Antwortet Gott tatsächlich auf solche Fragen?
  • Wie stellt man an Gott eine solche Anfrage und wie sieht die Antwort aus?

Moses Schwiegervater hat keinen Zweifel daran, dass diese lebenspraktische Frage des Austausches mit Gott bedarf. Ebenso waren die, die die Geschichte aufgeschrieben haben und weiter tradiert haben, der gleichen Ansicht. So ist zu sagen, dass man Gott natürlich mit solchen Fragen beschäftigen darf und kann. Ebenso eindeutig kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man auf solche und ähnliche Fragen auch eine Antwort bekommt.

Wie stellt man nun eine geistliche Anfrage an Gott?

Zunächst ist es wichtig, dass die Hausaufgaben gemacht werden. Eine oder besser noch mehrere Lösungen für eine Aufgabe sind auszuarbeiten. Dies geschieht auf der Grundlage der Fakten, die vorliegen oder besorgt werden. Wenn die Lösungen auf dem Tisch liegen, überprüft man seine eigene Gemütslage und kann sich beispielsweise folgende Fragen stellen:

Was bewegt mich bei diesem Thema? Was regt sich in mir? Sind es Ärger über andere, Stolz auf mich selbst, Angst vor Reaktionen oder die Unsicherheit, ob es klappen wird u.a.? Dies schließt man mit eine Gebet ab, in dem man um Hilfe bei den negativen Regungen und Unterstützung bei positiven Regungen bitten kann. Das Gebet braucht etwas Zeit. Eile ist hier kontraproduktiv.

Nachdem man seine eigene Position zum Aufgabenstellung geklärt hat, bewertet man nüchtern die Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen. Hierzu gibt es  eine reiche Methodenauswahl von dem T-Konto bis hin zur SWOT-Analyse.

In die nächste Phase steigt man ein, in dem man die Lösungen hinsichtlich folgender Kriterien bewertet:

  • Fähigkeiten und persönliche Situation der beteiligten Personen,
  • Folgen für die Organisation oder das Unternehmen,
  • Chance der Umsetzbarkeit in vertretbarer Zeit und zu vertretbaren Mitteln.

Man bittet jetzt den Heiligen Geist um Hilfe bei der Auswahl der richtigen Lösungsalternative in einem Gebet. Bitte nichts erzwingen. Zeit ist hier auch eine wichtige Komponente.

Die beste Lösung finden

Woran erkennt man, die beste und geistlich geprüfte Lösung? Es sind vor allem die inneren Regungen, auf die hier zu achten sind. Man kann auch ruhig sagen: das Bauchgefühl. Man muss feststellen, welche der Lösungen Ruhe in mir verbreitet, welche mir ein positives Gefühl gibt. Welche Lösung ist für die Menschen von Vorteil und welche für die Zukunft der Organisation?

Sobald sich diese inneren Regungen im Gebet manifestieren, weiß man, welche Lösung die tatsächlich beste ist. Stellt sich keine solche Regung ein, so liegt es meist daran, dass die Lösungsalternativen noch nicht gut genug ausgearbeitet sind. Hier ist also noch einmal nachzuarbeiten.

Geistliche Führung ist also die Kombination von sachorientierten Methoden und dem Hören auf die Stimme Gottes im Gebet. Diese Kombination führt zu beindruckenden Ergebnissen.

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