Konflikte produktiv moderieren

Gestern Abend hatte ich die Aufgabe, eine Gruppe zu moderieren, in der seit der letzten gemeinsamen Sitzung ein großer Konflikt entstanden war. Da ich wusste, dass die Emotionen sehr hoch kochten, wählte ich eine Methode aus, die dem Dialog nach David Bohm entstammt.

Wir wechselten für die Bearbeitung des konfliktgeladenen Themas den Raum und nahmen in einem Stuhlkreis Platz. In die gestaltete Mitte hatte ich unter anderem ein Handkreuz gelegt, welches nun dazu dienen sollte, den Sprecher zu identifizieren. Die ungewöhnliche Regel des Austausches war, dass nur derjenige der das Kreuz in der Hand hat, redet und dass die anderen sich bemühen ihm zuzuhören – ohne bereits die eigene (Gegen-)Rede vorzuformulieren. Darüber hinaus sollten die eher bekannten Kommunikationsregeln gelten, dass jeder nur von sich selbst spricht und dass jeder offen und ehrlich seine Meinung äußert.

Durch diese Methode wurde eine heilbringende Entschleunigung erreicht. Jeder Redner/jede Rednerin hatte alle Zeit die er/sie benötigte, um die eigene Position und die eigenen Gefühle zu äußern. Es war klar, dass auch bei kurzen oder längeren Redeunterbrechungen keiner ins Wort fällt, so dass jede/jeder ungestört alle Gedanken ausformulieren konnte. Und auch wenn es den Zuhörenden sicherlich nicht immer leicht gefallen ist, wirklich gut und offen zuzuhören, so war doch immer klar, dass erst dann das Wort ergriffen werden konnte, wenn das Kreuz erneut in der Mitte lag. Dies führte auf beiden Seiten zu einer wesentlich entspannteren Haltung und öffnete den Raum, dass eine Lösung des Konfliktes möglich wurde.

Ich glaube zudem, dass durch diese Methode auch ein spiritueller Raum geöffnet werden konnte. Denn wo Zeit und Raum für Momente der Stille ist, dort ist auch Zeit und Raum, dass der Heilige Geist wirken kann.

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