Mergers & Acquisitions

Die aktuelle Entwicklung im Pflegemarkt

Die Berichte über Investoren und große Betreiber von Seniorenheimen, die ganze Gruppen von Seniorenheimen aufkaufen, häufen sich. Das ist in anderen Branchen schon seit einigen Jahrzehnten in unterschiedlicher Intensität zu beobachten. In der Pflegewirtschaft ist dieses Phänomen erste seit einigen Jahren und besonders in den letzen beiden Jahren aufgetreten. Die Managementlehre spricht von Mergers & Acquisitions. Was hat es damit auf sich und wie sieht die Entwicklung auf dem deutschen Pflegemarkt aus?

Der Begriff Mergers & Acquisitions beschreibt den Kauf eines Unternehmens oder eines Unternehmensteils durch ein anderes Unternehmen. Im Deutschen können wir von Fusionen und Unternehmensübernahmen sprechen, allerdings hat sich der englische Begriff weithin durchgesetzt.

Unternehmen übernehmen andere Unternehmen oder fusionieren, um zu wachsen und damit an Bedeutung und an Marktmacht zu gewinnen. Folgende Ziele können damit verbunden werden:

  • Bessere Nutzung von Pflege- und Versorgungskonzepten – Know-how-Transfer
  • Zugang zu regionalen Pflegemärkten
  • Erschließung von Synergiepotenzialen
  • Ausschöpfen von Kombinationsbenefits
  • Nutzung von Rationalisierungsmöglichkeiten
  • Nutzung von stillen Reserven

Der Pflegemarkt in Deutschland ist derzeit hoch aktiv. In den letzten beiden Jahren haben wir eine ganze Reihe von Übernahmen von Betreibergesellschaften von Seniorenheimen erlebt. Dabei stechen nach meinen Recherchen drei Marktakteure besonders heraus.

Die französische Korian-Gruppe tauchte im Jahr 2014 noch auf keiner Übersicht der großen deutschen Pflegeanbieter auf. Im Jahr 2007 begann ihr Engagement auf dem deutschen Markt mit dem Kauf der Unternehmensgruppe PHÖNIX mit Sitz in Füssen, die damals 29 Seniorenheime betrieb. Allein von Januar bis September 2015 wurden 20 Einrichtungen in Deutschland in die Korian Gruppe durch Zukauf integriert. Dem war die Fusion der Korian Deutschland AG mit der Curanum AG Ende 2014 vorausgegangen. Die Curanum AG war 2014 mit 124 Seniorenheimen noch Marktführer in Deutschland. Zum Jahreswechsel 2015/2016 kaufte die Korian-Gruppe noch die deutsche Nr. 3 auf dem Pflegemarkt, die Casa Reha Gruppe, mit 67 Häusern auf und stieg zum Marktführer in Deutschland mit insgesamt 220 Seniorenheimen und 24.484 Plätzen auf. (Datenquelle: www.pflegemarkt.com) Die Korian-Gruppe führt ihr deutsches Engagement unter folgenden Brands: CURANUM; CASA REHA, PHÖNIX, evergreen, Helvita und Sentivo. Ziel ist es jährlich 1000 neue Pflegeplätze in Deutschland zu schaffen.

Was treibt die Korian-Gruppe zu einem so schnellen Wachstum in Deutschland? Zum einen sicherlich die Zielsetzung Europas Nr. 1 im Pflegemarkt zu bleiben. Am deutschen Pflegemarkt sind zum einen der hohe Finanzierungsbeitrag für die Pflege durch die Pflegeversicherung ein wichtiger Grund, der ein Engagement in Deutschland aussichtsreich macht. Darüber hinaus aber auch schlicht die Größe und die Bevölkerungszahl, die den deutschen Markt attraktiv machen. Darüber hinaus ist sicherlich die Tatsache wichtig, daß sich in Deutschland schon gemischte und flexible Betreuungsformen in der Versorgung von Senioren entwickelt haben, die es beispielsweise in Frankreich noch nicht gibt. Die international aktive Korian-Gruppe kann also auch vom Know-how-Transfer profitieren. Lesenswert ist auch ein FAZ-Artikel von Christian Schubert vom 14.02.2015.

Die deutsche Alloheim-Gruppe wurde 1973 von Alois Mollik gegründet, der sie bis zur Übernahme durch die Star Capital im Jahr 2008 auf 14 Einrichtungen ausbaute. Bis 2014 wuchs die Alloheim-Gruppe auf 48 Einrichtungen und erweitere ihren Bestand in 2015 durch die Übernahme der Procon Seniorenzentren gGmbH mit 14 Seniorenheime und der Senator Beteiligungs GmbH mit 48 Seniorenheimen sowie in 2016 mit der Übernahme der AGO Unternehmensgruppe mit 14 Seniorenheimen sowie einiger kleinerer Übernahmen auf 127 Häuser. Damit gilt die Alloheim Gruppe in 2016 als der drittgrößte Anbieter von stationärer Pflege in Deutschland. Im Gegensatz zur Korian Gruppe, die mehrere Brands pflegt, verfolgt Alloheim offensichtlich eine Single-Brand-Strategie und integriert übernommene Häuser in ihre Corporate Identity. Der Integrationsprozess braucht jedoch Zeit, so dass die letzten Erwerbungen sich wohl noch mitten im Integrationsprozess befinden. Diesen Schluss legt der Vergleich der Aufrufmöglichkeiten der Einrichtungen auf der Web-Sites der Alloheim-Gruppe und der Abrufmöglichkeiten auf eigenständigen Web-Sites nahe. (Daten: www.pflegemarkt.com, www.alloheim.de)

Eine ähnlich rasante Entwicklung hat die ebenfalls französische Gruppe Orpea/Siver Care hingelegt.  Anfang 2014 war sie in Deutschland mit 53 Seniorenheimen vertreten, im August 2016 rangiert sie mit 129 Heimen auf Platz 4 im Betreibervergleich.

Diese Konzentrationsprozesse sind allein betrachtet durchaus beeindruckend. Für den Markt insgesamt stellen sie jedoch derzeit noch keine nennenswerte Bedrohung dar, da der Marktanteil der „Big Five“ derzeit bei 8,8 % und der der 10 größten Betreiber derzeit bei 12,59 % liegt. (Quelle: Pflegemarktbericht 2016) Allerdings wird eine derart hohe Aktivität bei Mergers & Acquisitions an den Tag gelegt, dass mit weiteren Übernahmen zu rechnen ist. Hinzu kommt, dass der Marktanteil der kommunalen, frei-gemeinnützigen und kirchlichen Träger seit Jahren zugunsten der privaten Betreiber (37 %) sinkt.

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