Arbeitgeberattraktivität

Während noch vor zwei oder drei Jahren sich die Bewerbungsunterlagen von Pflegefachkräften auf den Schreibtischen der Leitungskräfte in Pflegediensten oder Seniorenheimen stapelten, meldet sich heute kaum noch jemand auf eine Stellenanzeige. Von Seiten der Politik werden seit einigen Monaten vermehrt Anstrengungen unternommen, den Pflegeberuf attraktiv zu machen und junge Leute für die Ausbildung zu interessieren. Doch ganz gleich, wie viele Menschen sich ausbilden lassen, es reicht jetzt schon nicht. Zuwanderung wird zwar helfen aber auch nicht ausreichen. Denn es wird in Zukunft immer weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter geben und immer mehr Menschen, die Pflege benötigen (siehe ILS-Studie). Der demografische Wandel ist eines unserer wichtigsten gesellschaftlichen Probleme.

Es bleiben drei Entwicklungsrichtungen für die Personalpolitik von Pflegeunternehmen:

  • Ausbildung und Wiedereinstieg in den Beruf
  • Bindung der eigenen Mitarbeiter an das Unternehmen
  • Anwerbung von wechselwilligen Pflegefachkräfte

Für alle drei Optionen ist ein Faktor von großer Bedeutung - die Attraktivität des Pflegeunternehmens als Arbeitgeber, oder in einem Bild ausgedrückt, die Anziehungskraft des Unternehmens auf interessierte Menschen.

F ü n f Unternehmensfunktionen sind hier von Bedeutung:

  1. Work-Life-Balance
    Hier geht es um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Gerade in einem traditionellen Frauenberuf kommt der Abstimmung des Familienlebens mit den beruflichen Anforderungen große Bedeutung zu.
  2. Personalentwicklung
    In jedem Pflegeunternehmen gibt es einen Fortbildungsplan. Bei der Personalentwicklung geht es jedoch um die kontinuierliche (lebenslange) Weiterentwicklung der Mitarbeiterqualifikation. Sie muss den Anforderungen der Patienten, Bewohner und Angehörigen auf der einen und Pflege- bzw. Krankenkassen auf der anderen Seite entsprechen. So sollen Über- und Unterforderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermieden und das festgelegte Qualitätsniveau erreicht werden.
  3. Change- bzw. Veränderungsmanagement
    Unternehmen wandeln sich ständig, denn sie müssen sich an den Markt anpassen. Besonders in Pflegeunternehmen sind vor allem die Menschen, die darin arbeiten, von Veränderungen betroffen. Hier geht es um die Schaffung einer Unternehmenskultur, die ein positives Umfeld für Veränderung schafft und so eine hohe Akzeptanz von Veränderungen bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fördern kann.
  4. Outplacement- bzw. Entlassungsmanagement
    Es gehört zu den unerfreulichsten Aufgaben von Führungskräften, sich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu trennen. Ganz gleich wer kündigt und aus welchen Gründen das Arbeitsverhältnis beendet wird. Die hohe Kunst des Entlassungsmanagements ist es, sich von der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter so zu trennen, dass es jeder Zeit möglich ist, wieder zurück zu kehren. Hier kann man viel Wertschätzung und guten Ruf verspielen, wenn Emotionen den Trennungsprozess bestimmen.
  5. Deversitymanagement
    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Pflegeunternehmen kommen heute aus unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen sowie aus vielfältigen sozialen Zusammenhängen. Daher wird eine Beachtung der Vielfältigkeit der Menschen in der Führungsarbeit immer notwendiger. Sie kann eine Chance sein, die Potenziale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser zu nutzen und ihre Motivation zu erhalten bzw. zu steigern.

Die Kontrolle und ggf. Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber ist und wird noch mehr der entscheidende Erfolgsfaktor für Pflegeunternehmen werden.

 

Weitere Informationen zum Thema:

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Literatur:

Arbeitgeberattraktivität: Theoretische Grundlagen, sekundär-empirische Ergebnisse

Als Arbeitgeber attraktiv: Wie gut sind wir schon?